Gatsby Burger (HB)

Den in der Bremer Neustadt ansässigen Gatsby Burger habe ich eher zufällig entdeckt. Also habe ich mir einen Teil meiner Familie geschnappt und auf ging es zum munteren Burgertesten (wie sehr ich dieses Hobby liebe! ❤️). Der Besitzer des Burgerlädchens hat es sich zum Ziel gesetzt, den Burger so zu kreieren und zu präsentieren, wie man ihn aus den 1925er-Jahren kennt. Da ich zwar im 20. Jahrhundert geboren bin, aber die goldenen Twenties lange vor meiner Zeit das Leben zelebrierten, fehlt mir jedoch der Vergleich. Doch jeder, der den Film ‚The Great Gatsby‘ gesehen oder jemals auf einer 20er-Jahre-Party (Bohème Sauvage!) war, hat eine vage Vorstellung davon, wie sich dieses Burgererlebnis anfühlen sollte.

Ambiente

Der Laden liegt direkt an einer vielbefahrenen Hauptstraße, aber sobald man die heilige Halle betritt, fühlt man sich wie auf einer Zeitreise – die direkt in die Zwanzigerjahre führt. Flotte Musik, ein Gemälde, das Leo DiCaprio in „The Great Gatsby“ zeigt und die zeitlose Menükarte machen die Illusion nahezu perfekt. Selbst an einem Sonntagabend ist jeder Platz besetzt. Bei der offenen Küche, die gewissermaßen das Zentrum bildet, lässt sich den Köchen locker über die Schulter schauen. Der Haken daran ist jedoch, dass auch die riesige Dunstabzugshaube nicht verhindert, dass das andere Ende des Raums durch all die Dampfschwaden nur noch schwer zu erkennen ist. Mir ist der Duft von Burgern & Co. ja x mal lieber als Zigarettenrauch, aber wer im Anschluss noch etwas (seriöses) vorhat, sollte sich lieber noch einmal umziehen.

Meine Wahl fällt auf den Gatsby’s little Italy (6,80 €) mit Süßkartoffelfritten.

Mit Rindfleisch, Mozzarella und hausgemachtem Basilikumpesto macht der Gatsby’s little Italy seinem Namen alle Ehre

Bun

Die Qual der Wahl: Brioche oder Ciabatta? Für meinem Burger wähle ich ‚türlich die italienische Brotsorte (zu dt. Pantoffel, yummie!). Aus Erfahrung ist das Ciabatta-Bun-Experiment  häufig ein Wagnis aber in diesem Fall ist es definitiv geglückt. Das Bun ist fluffig und liegt nicht schwer im Magen. Kleiner Schönheitsmakel: Der Rand ist etwas angekokelt, was dem feinen Geschmack aber keinen Abbruch tut.

Patty

Soso …

Nach Aussage der Betreiber stammt das Patty von Rindern aus der Region und wird bei 300 Grad mit Olivenaroma auf hochwertiger Holzkohle gegrillt. Und was soll ich sagen? Das Herzstück des Burgers wird medium serviert und schmeckt ganz hervorragend. Saftig, auf den Punkt gebraten und aromatisch.

Pommes

Hier braucht es gar keine lange Rede, sondern vielmehr einen kurzen Sinn: Auch die Süßkartoffelpommes sind einwandfrei. Außen schön knusprig und innen weich.

Soßen

Das hausgemachte Basilikumpesto, das bei dem Little Italy als Burgersoße dient, ist klasse abgeschmeckt. Nicht geschmacksneutral (wie es häufig bei No-Name-Pesto aus dem Glas der Fall ist), aber auch nicht überwürzt. Manchmal scheint den Köchen da ja glatt der Salzstreuer ins Pesto gefallen zu sein. 😛  Die Kombi mit der großen Scheibe Mozarella und dem knackigen Gemüse ist traumhaft. Für die Pommes fällt meine Wahl auf den Joghurt-Minze-Dip. Dieser ist mir jedoch zu flüssig und schmeckt etwas pfad. Die bereitstehenden Salz- und Pfefferstreuer können das die Soße noch – bedingt – retten.

Nice to have

Die Burger werden (hand- und kleckerfreundlich) in Papier serviert, das wie eine alte Zeitung anmutet. Schöner Nebeneffekt: Man lernt ganz nebenbei, dass die ‚französischen Pommes‘ angeblich im 18. Jahrhundert an der Pariser Pont Neuf erfunden wurden. Was mir allerdings ein viel größeres Lächeln auf die Lippen zaubert, ist folgender Fakt: Es gibt eine Mayo- und Ketchupbar mit unendlich vielen Servietten. Liebe Burgeristas da draußen, warum bietet ihr das nicht in jedem eurer Läden an? Ein echter Gourmet (und auch das Fußvolk) isst den Burger mit den Händen. Das Besteck bleibt für gewöhnlich unberührt. Gut für euch, schwierig für uns. Mit einer einzigen Serviette wird das Ganze nämlich zur echten Herausforderung – vor allem, wenn man auf der Suche nach Taschentüchern alles vollkleckert. Oder wie soll man den Burger öffentlichkeitswirksam auf Instagram & Co. inszenieren, wenn die Hände bereits mit einer Mischung aus Fleischsaft und Soßen benetzt sind?! Merkt ihr selbst, oder? Die Krönung bei Gatsby Burger: Zu jeder Bestellung gibt es ein Erfrischungstuch dazu. Mega!

Fazit

Das Besteck bleibt eingewickelt, der Teller ist ratzekahl leer. Das ist bislang der beste Burger, den ich in Bremen gegessen habe! Auch wenn es für die Mayo-, Ketchup- und Serviettenquelle, die niemals zu versiegen droht, dicke Pluspunkte gibt, bekommt der heutige Besuch 4/5 Sternen. Die ziemlich lange Wartezeit, ominöse Toiletten (in der Sishabar nebenan) und die ‚dicke Luft‘, die einen herrlichen fettigen Geruch in die Kleidung zaubert, bringen einen Punkt Abzug.

★ ★ ★ ★ ☆
nahezu perfekt

Geheimtipp der Burgermeisterin:
Nutzt unbedingt die Burgermenüs! Für 3,90 € mehr bekommt ihr einen Softdrink und normale Pommes ODER Süßkartoffelfritten dazu. Meistens sind diese vom Menü ausgeschlossen, weil sie mehr kosten. Hier allerdings nicht. Also: zuschlagen!