Dulf’s Burger (HH)

Ich beobachte Dulf’s Burger schon eine Weile. Mein erstes kulinarisches Tête-à-Tête in der Himmelstraße (beinahe kitschig …) fand im Mai 2015 statt und liegt somit schon gut anderthalb Jahre zurück. Damals noch in Winterhude beheimatet, galt Dulf’s schnell als DER Hamburger Burgerladen schlechthin. Ein Geheimtipp war er zu diesem Zeitpunkt schon lange nicht mehr, doch die raren Sitzplätze (die sich im Sommer exponentiell verdreifachten) machten den Besuch besonders, beinahe exklusiv. Wer – vor allem am Wochenende – einen Platz ergattern konnte, durfte sich auf die Schulter klopfen. Kein leichtes Unterfangen. Als ich hörte, dass das Dulf’s im Herbst 2016 ins Karoviertel, d. h. in meine Hood, ziehen würde, war ich ganz aus dem Häuschen. Nach mittlerweile drei bis vier Besuchen am neuen Standort hat sich diese Aufregung ein wenig gelegt. Die große Preisfrage also: Ist Dulf’s immer noch der place to be, um den besten Burger Hamburgs zu zelebrieren?

Ambiente

Drinnen regiert der Industrie-Chic und draußen sitzt man recht zweckmäßig auf Bierbänken. So weit, so gut. Die Bar ist wirklich schick geworden und die Tische bahnen sich ihren Weg in der L-förmigen Lokalität. Die Skizzenwand, die sich direkt rechts neben dem Eingang befindet, zeigt ein munteres Kunstwerk rund um Dulf’s Burger. Das gefällt. (Foto folgt, versprochen!)

So sieht meine höchst subjektive Dulf’s Hitliste aus: Platz 1 gebührt dem Blue Cheese Burger und auf dem 2. Platz tummelt sich der Champignon Burger.

Dulf’s Blue Cheese Burger: Beef-Patty, Kopfsalat, Blauschimmelkäse, Ziwebelmarmelade, (marinierter Bacon), Dulf’s Blue Cheese Mayo, Dulf’s Burger Mayo
Mein Liebling 2.0 ist der Dulf’s Champignon Burger mit Beef-Patty, Kopfsalat, gebratenen Champignons, Zwiebeln, Chesterkäse, Crème fraîche und Dulf’s Burger Mayo

Bun

Es stehen drei verschiedene Bun zur Auswahl: Brioche, Ciabatta oder Sesam. Leider kommt es ab und an vor, dass nicht alle Sorten verfügbar sind. Das Brioche ist tadellos – fluffig und leicht süßlich. So wie es sein sollte. Das Ciabatta schmeckte mir bei meinem letzten Besuch leider gar nicht. Es kam insgesamt zu trocken daher und lag mir recht schwer im Magen.

Patty

Auf den Punkt medium gegart, Chapeau. Zur Wahl stehen: rare, medium oder well done. Wer meine anderen Burgertests gelesen hat und vor allem bei Most Wanted Burger mitfühlen konnte, kann meine medium-Freude an diese Stelle vermutlich bestens nachvollziehen. 😉  Das Fleisch der Beef-Burger stammt übrigens aus der Rotbunt Färse. – Bitte woher? Das musste ich zugegebenermaßen selbst erstmal nachschlagen. Es handelt sich dabei nämlich um das weibliche Jungtier der rot-weißen Hausrind-Rasse , die vor allem in Nord- und Mitteldeutschland vertreten ist. Ha, wieder etwas dazugelernt! Bei Dulf’s Burger wird gern hochgestapelt und so wird mit dem Blauschimmelkäse, der Zwiebelmarmelade oder den schmackhaft gewürzten Champignons nicht gegeizt.

Pommes

Die Süßkartoffelpommes sind wirklich zu empfehlen! Diese sollten jedoch zügig verspeist werden, denn manchmal kommen sie bereits lauwarm auf den Teller.

Soßen

Meins, meins, meins. Das passiert, wenn man mir an die Soßen will

Die Burger an sich sind durch ihre reichhaltigen Toppings bestens mit Soßen versorgt. Vor allem die Dulf’s Burger Mayo zieht sich beinahe wie ein roter Faden durch die Karte. Zu recht, denn die kann sich wirklich sehen – und schmecken – lassen. Die Basilikum-Mayo (überraschenderweise der grüne Klecks im Bild) sieht zwar toll aus, schmeckt aber weniger nach Basilikum, als vermutet. Dafür kommt sie recht frisch daher. Dagegen ist die Honig-Senf-Soße (dunkelgelb) unheimlich süß. Die muss man mögen. Dahingegen ist die BBQ-Variante stark rauchig und daher nicht unbedingt mein Fall. Aber echte Liebhaber werden vermutlich nicht die Finger davon lassen können.

Nice to have

Mich umtreibt immer noch ein wenig Wehmut, wenn ich daran denke, dass auf der neuen Karte urspünglich drei Mini-Burger standen, die man sich selbst zusammenstellen konnte. Doch als ich diese bestellen wollte (nach stundenlanger Abwägung, was denn wohl die beste Kombi sei), hieß es, dass die Burger in dieser Form nicht mehr angeboten werden. Die Küche sei damit überfordert gewesen. Bei meinen nächsten Besuchen ahnte ich so langsam, warum … Aber immerhin: Man lernt daraus.

Fazit

Der BESTE Burgerladen Hamburgs. Die SCHÖNSTE Stadt der Welt … Auch auf die Gefahr hin, dass ich nun den Unmut der alteingesessenen Hamburger auf mich ziehe: Ich bin kein großer Fan von Superlativen. Und das gilt auch im Bezug auf Dulf’s Burger. Vor allem meine Besuche im Sommer (unschwer zu erkennen, dass auch fast alle Fotos aus der Zeit stammen) haben mich davon überzeugt, dass es für mich DER Laden schlechthin ist. Doch der ein oder andere Besuch in jüngerer Zeit hat mich an der Antwort auf die Frage: „Sag mal, was ist dein Lieblingsburgerladen in Hamburg?“ zweifeln lassen. Am neuen Standort lief der Service in den ersten Monaten eher quadratisch anstatt rund und der häufige Wechsel (Austausch?!) des Personals tat vermutlich sein Übriges. Zudem werde ich das Gefühl nicht los, dass die Vergrößerung der Ladenfläche zulasten der Qualität geht. Quantität statt Qualität und Massenabfertigung kann nicht die Antwort sein. Schließlich gestaltet sich der Besuch der Burgerschmiede zu absoluten Hochzeiten eher wie ein Russisch Roulette. Oder um es etwas weniger pathetisch auszudrücken: Man muss Glück haben. Ich werde das weiterhin beobachten und berichten …

★ ★ ★ ★ ☆

Geheimtipp der Burgermeisterin:
Also, das Dulf’s bitte keinesfalls abends – vor allem am Wochenende – aufsuchen. Wenn ihr aber vor Ort seid: Die hausgemachten Limos schmecken herrlich frisch und stillen des Burgerdurst extrem gut.

Most Wanted Burger (HH)

Manche mag es überraschen, einige wissen es und wiederum andere haben es geahnt. Ich bin nicht nur auf eigene Faust unterwegs, sondern auch Teil einer fünfköpfigen Burgercrew, die es sich zur Aufgabe macht, nach & nach feine (Hamburger) Burgerläden aufzuspüren. Unser jüngster Besuch im Januar 2017 führt uns zu Most Wanted Burger (MWB), die sich ausdrücklich von Fast Food abgrenzen. Hier stellt sich die Frage aller Fragen: Kann Eimsbush Burger?

Ambiente

Die Ladenfläche ist klein aber wird maximal genutzt. Hohe Tische und Stühle garantieren den Blick in die offene Küche, wo ein reges und geschäftiges Treiben herrscht. Seit der Eröffnung im März 2016 zieht sich der Industrie-Chic wie ein roter Faden durch das Interieur. Die recht enge Sitzsituation lässt zwar zu, dass man seinen Burger in Ruhe verzehren kann aber zum Verweilen lädt MWB eher weniger ein.

Bei meinem ersten Besuch durchleide ich tatsächlich alle Phasen von Entscheidungsängsten, bis meine Wahl (endlich) auf den Alpenrösti (8,90 €) fällt.

Alpenrösti: Beefpatty, Kartoffelrösti, Bacon, Romanasalat, Schweizer Bergkäse, hausgemachte Käsesoße, Tomaten, MW-Senf-Mayo und ein Klecks Coleslaw

Bun

Drei verschiedene Bun lassen sich munter mit den einzelnen Burgern kombinieren: Brioche, Sesam oder Krossi. Das Sesambun sieht selbstgemacht aus und schmeckt gut, sticht jedoch nicht nennenswert aus der Masse heraus.

Patty

MWB bietet die 180g-Patties, bestehend aus Lüneburger Rind, explizit in allen fünf Garstufen an: rare, medium-rare, medium, medium-well, well done. In einem kurzen Moment geistiger Umnachtung (oder bin ich einfach ins Gespräch vertieft?!) entscheide ich mich dafür, meinen Burger medium-rare zu bestellen. Großer Fehler. Als Bremerin bin ich quasi mit Hackepeter-Brötchen aufgewachsen. Ich habe also ein äußerst zutrauliches Verhältnis zu rohem Fleisch. Beim Burger endet diese Zuneigung jedoch gänzlich. Der Kartoffelrösti – leider völlig ungewürzt und kühl – verschleiert zunächst einiges, aber, so gar wie das Patty von außen aussieht, so sehr lacht es mich von innen blutrot an. Daraus schlussfolgere ich, dass ‚rare‘ folgender Stufe entsprechen müsste: Man nehme das Patty aus dem Kühlschrank und lege es ohne Umschweife aufs Bun. Geschmackssache. Eindeutig. Der Schweizer Käse lässt sich nur noch unschwer von der Käsesoße unterscheiden und schmeckt mir ein wenig zu sehr nach Scheiblettenkäse. Selbst die ultimative Veredelung mit Blattgold kann von diesen (Kritik-)Punkten kaum ablenken.

Stilecht dinieren à la Burgermeisterin

Pommes

Frittenliebe! Ich komme in den Genuss der „belgischen Fries“ und der „Süßkartoffel Fries“. Beide Varianten schmecken super. Den ’normalen‘ Pommes sieht man richtig an, dass sie handgeschnitten und hausgemacht sind. Gefällt mir. Davon könnten sich einige Läden eine Scheibe abschneiden. Tüte auf und ab in die Friteuse kann schließlich jeder.

Soßen

Zu gern hätte ich die auf der Karte angepriesene Passionsfrucht-Mayo probiert, doch die ist leider gerade aus. Stattdessen gönne ich mir die Sweet-Chili-Mayo und die ist toll. Nicht zu scharf und nicht zu lasch.

Nice to have

Öhm … Zu jedem Burger gibt es kleinen Klecks Coleslaw. Dieser ist wirklich lecker. Aber leider viel zu klein. Mehr davon, bitte!

Fazit

Alpenrösti – kann man machen, muss man aber nicht. Ich hatte ein Geschmackserlebnis der Extraklasse erwartet aber irgendwie stellte sich der Burger eher als Kombi aus halbgarem Fleisch (okay, mein Fehler) und einem ungewürzten / kalten Rösti mit undefinierbarem Käse heraus. Der O-Ton meiner Begleitung ist jedoch durchweg positiv. Vor allem die Karte von Most Wanted Burger hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Die trauen sich etwas: Lammrücken & Merguez (syrische Lammwurst) anstatt Patty, Portobello-Pilz-Bun oder Algensalat auf dem Burger. Bei der nächsten Gelegenheit würde ich dem Laden eine zweite Chance geben – aber dann unbedingt in der medium-Variante.

★ ★ ★ ☆ ☆
Von der Perfektion noch etwas entfernt

Geheimtipp der Burgermeisterin:
Mutbürger, erhebt euch! Die Lammrücken- & Merguez-Variante oder der Portobello-Pilz-Bun sind in dieser Form einzigartig in Hamburg. Also: mutig bleiben.